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Abdalla Tenywa Juma Mzingo - der sanfte Riese unserer Root & Branch-Familie



Abdalla Tenywa Juma Mzingo, kurz Dullah - aufgrund seiner Statur und Grösse auch «Stucki Chrigu» genannt, ist der sanfte Riese unserer Root & Branch-Familie. Dullah durchläuft unser Inklusionsangebot EmancipAID und macht zurzeit das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis EFZ als Fachmann Betriebsunterhalt nach Artikel 32 der eidgenössischen Berufsbildungsverordnung.


Dullah war bereits in unserem Vorläuferprojekt In-Limbo mit dabei, wo er als Betreuer und Verantwortlicher Unterhalt und Sicherheit in der Kollektivunterkunft in Büren an der Aare arbeitete. Nachdem die Kollektivunterkünfte in der Zuständigkeit von ABR (Asyl Biel und Region) zum Schweizerischen Roten Kreuz wechselten, musste sich Dullah, wie alle übrigen ABR-Mitarbeitenden, eine neue Stelle suchen.


Obschon seine Leidenschaft Computern gilt, hat Dullah eingesehen, dass ihm eine EFZ-Ausbildung mit Abschluss viele Tore öffnet. Ein Berufsabschluss nach Art. 32 gibt ihm zudem die Möglichkeit, berufsbegleitend die Ausbildung zu absolvieren, was er sich als disziplinierter und lebenserfahrene Person auch zutraute.


Die Anschlusslösung fand Dullah bei einem Werkhof einer Einwohnergemeinde. Ein Glücksgriff, da Dullah dort hundertprozentig in seinem Lehrberuf angestellt ist und er die Theorie, die ihm an einem Tag Berufsfachschule vermittelt wird, am Arbeitsplatz auch praktisch umsetzen kann.

 

«Ich kam 2012 aus Kenia in die Schweiz, weil ich mein Leben verändern wollte. Manchmal sind Veränderungen unvermeidlich, manchmal sucht man sie aus unterschiedlichen Gründen.


In Kenia habe ich einige unternehmerische Abenteuer verfolgt. Ich hatte einen Shop in einem entlegenen Dorf, in dem ich Ersatzteile für Motorräder verkaufte, einen in Arusha, wo ich mit Playstations und DVDs handelte, ich hatte ein Internet-Café, als IT-Fachmann gearbeitet und Computer repariert. Computer sind schon seit über 20 Jahren meine grosse Leidenschaft.


Eine richtige Vorstellung von Europa und der Schweiz hatte ich nicht. Sie war von Filmen, Musik, Bildern von Bergen und leichtem Geld geprägt. Aber in der Realität war alles anders.


Ich bin in Mombasa aufgewachsen, einer tropischen Hafenstadt. Als ich im mitten im Winter hier in der Schweiz ankam, fror ich sogar mit zwei Paar Socken, drei Jacken und Handschuhen. Die Berge sind ja wunderschön, aber das Klima! Daran konnte sich mein Körper zuerst gar nicht gewöhnen.


Dann gibt es die grundsätzlichen kulturellen Unterschiede. In Kenia sprechen wir beispielsweise ständig mit Fremden. Man redet, scherzt und lacht. In der Schweiz kam diese Angewohnheit weniger gut an – im Bus wollte schon bald niemand mehr neben mir sitzen.


Das bessere Leben in der Schweiz kriegst du nicht umsonst. Es gibt viele Hürden, die man überwinden muss. Du musst hart dafür arbeiten, dich integrieren, neue Sprachen lernen, eine Ausbildung machen.


Ich war zu Anfang gar nicht in das Schweizer System integriert und hatte Mühe, eine Arbeit zu finden. In Kenia schaut man mehrheitlich auf die Erfahrungen, die man in einem Berufsfeld gesammelt hat, da sich nicht jeder eine schulische Ausbildung leisten kann.


In dieser Hinsicht hat Root & Branch mein Leben verändert und meinen Horizont erweitert. Man hat mir gezeigt, welche konkreten Schritte ich unternehmen muss, um in der Schweiz beruflich weiterzukommen.


Obschon mein IT-Background hier nicht anerkannt wird, habe ich verstehen gelernt, dass es für mich mit meinem technischen Hintergrund durchaus berufliche Möglichkeiten gibt. Jetzt mache ich die Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt EFZ. Ich arbeite gerne mit meinen Händen, bin oft draussen an der frischen Luft und mache ganz verschiedene Sachen, von Heckenschneiden bis zu Wartungsarbeiten.


Das Schweizer Ausbildungssystem hat einen sehr hohen Standard. Man muss sich in Geduld üben, das ist sehr wichtig. Aber das Erlernte wird dir von grossem Vorteil sein, auch für diejenigen, die wieder in ihre Heimat zurück gehen.»